< Zurück
Autor:
pure11-redaktion

Reinraumtücher - Ein Überblick

Korrekte Verwendung eines Tuchs
Kategorien: 

Tücher im Reinraum: Tradition oder Innovation?

Bei Reinraum-Begehungen unserer Außendienstmitarbeiter im Zuge von Kundenbesuchen oder Optimierungen fällt häufig auf, dass die in Reinräumen verwendeten Tücher auch heute nicht die erforderlichen Qualitätsstandards aufweisen. Nach wie vor findet man "große blaue Rollen", oftmals Tücher, die bei der Verwendung im Reinraum eine Gefahr für die Luftqualität darstellen. Konsequenzen sind neben hohen Ausschussraten häufig auch hohe Wechselfrequenzen der Reinraum-Luftfilter sowie die Unzufriedenheit der Mitarbeiter.

"Das Display wird nie sauber!"

Mit zahlreichen Textilien und neuen Herstellungsverfahren, die mittlerweile für Reinräume eingesetzt werden, ist die Umsetzung einfacher denn je zuvor. Besonders bei Tüchern sollte auf eine einwandfreie Qualität geachtet werden, da sie sehr häufig und bei jeder Arbeit angewendet werden.

Worauf dabei zu achten ist, richtet sich zunächst grundsätzlich nach dem Anwendungsbereich. Für eine optimale Eignung sollten die Tücher die zu reinigenden Oberflächen auf keinen Fall zerkratzen und beschädigen, deswegen sollten sie eine relevante Weichheit aufweisen. Die Oberflächen von Reinraummöbeln sind in der Regel versiegelt - bei einem Kratzer ist die Versiegelung bereits zerstört. Partikel und mikrobielle Organismen können sich gut in den Furchen und Unebenheiten einnisten und schlecht gereinigt und desinfiziert werden, dennoch einfach im Raum und auf dem Produkt verteilt werden.

Eine gute Absorption ist bei Tüchern gewünscht, damit das Tuch Flüssigkeiten bestmöglich aufnimmt. Gleichzeitig sollte eine gleichmäßige Reinigung erfolgen und die Abgabe des gespeicherten Wassers bzw. der Reinigungs- oder Desinfektionslösung ebenmäßig sein.

Den Kompromiss finden: Materialien für Reinraumtücher

Ein weiches und reißfestes Tuch wird auch durch einen hohen Baumwollgehalt erreicht. Baumwolle kann bekanntermaßen das Wasser gut aufsaugen/absorbieren, was in der waffelförmigen Faserstruktur der Oberfläche begründet ist.

Herkömmlich hergestellte Baumwolltücher sind für die Verwendung im Reinraum jedoch fast immer ungeeignet, da sie im Gebrauch sehr viele Fasern verlieren. Der Zusammenhalt der Fasern wird außerdem meist durch hohe Mengen an Klebstoffen erreicht. Kommen diese Klebstoffe mit Desinfektions- oder Lösungsmitteln in Kontakt, lösen sich die Klebstoffe und das Tuch zerfällt. Die Rückstände bleiben auf der zu reinigenden Oberfläche zurück.

Bei neueren Herstellungsverfahren werden die einzelnen Baumwollfasern miteinander verdreht, um diese zu verfestigen. In dem Fall wird vollständig auf Klebe- und Bindestoffe verzichtet, weswegen diese Tücher sehr hitze- und chemikalienbeständig sind. 

Baumwolltücher, die von unseren Kunden im Reinraum eingesetzt werden, finden Sie hier.

Ein weiterer Werkstoff, welcher in Tüchern verwendet wird, ist die Zellulose. Zellulose ist ein nachwachsender, natürlich vorkommender Rohstoff und ist aufgrund dessen biologisch abbaubar - eine Eigenschaft, die besonders bei Einweg-Materialien hinsichtlich der Entsorgung relevant ist. Zellulose gilt als sehr saugfähig und hitzeresistent.
Auch wird Zellulose zur Herstellung von Viskose, auch als Rayon bekannt, verwendet. Viskose ähnelt hinsichtlich der Eigenschaften sehr derer von Baumwolle, allerdings sind Viskosetücher um ein vielfaches chemikalienbeständiger als Baumwolltücher.

Reinraumtaugliche Zellulosetücher finden Sie hier.

Reinraumtaugliche Tücher aus Viskose oder Rayon finden Sie hier.

Polyester ist aufgrund feiner Garne besonders weich, chemikalienbeständig und sauber, da es vollsynthetisch hergestellt wird. Polyester verfügt jedoch auch über ein sehr geringes Absorptionsverhalten und nimmt Flüssigkeiten schlecht auf. Aufgrund der recht geschlossenen, aber großen Oberfläche und der damit verbundenen, guten Adsorption, bindet Polyester besonders kleine, feine Partikel zuverlässig. Zudem gilt Polyester als reißfest und ist als Rohmaterial meist preiswerter als andere Materialien.

Polyamid, auch bekannt als Nylon®, ist hingegen deutlich offenporiger als Polyester und nimmt Wasser gut auf. Jedoch ist Polyamid im Gegensatz zu anderen Ausgangsstoffen recht teuer. Die Kombination von Polyester und Polyamid hat den Vorteil, dass das kostengünstigere und feinporigere Polyester mit dem hydrophilen Polyamid gemischt wird. Das Tuch wird so dichter, was besonders der Bindung feiner und feuchter Partikel entgegenkommt.

Diese Kombination ist auch bekannt als Mikrofaser. Der nahezu fusselfreie Allrounder gewinnt seit einigen Jahren zunehmend an Popularität. Die einzelnen Fäden sind feiner als Seide, sehr weich und damit gut geeignet um selbst feinste Verschmutzungen von Oberflächen wie Edelstahl zu entfernen. Zudem kann Mikrofaser aufgrund der Kombination aus Polyamid und Polyester und der daraus resultierenden großen Oberfläche Wasser bestens aufnehmen, speichern und gleichmäßig abgeben. Für Anwendungszwecke, bei denen eine Adsorption gewünscht ist, finden auch 100 % Polyester-Mikrofaser-Tücher ihren Einsatz.

Reinraumtaugliche Mikrofasertücher finden Sie hier.

Das Tuch für alle Anwendungen

Durch die Kombination der Materialien Zellulose und Polyester in einem Tuch entstehen saugfähige und saubere Tücher, welche auch gute Chemikalienbeständigkeiten aufweisen. Durch seine preiswerte Herstellung und die universelle Einsetzbarkeit ist es heute das meistgenutzte Tuch in Reinräumen. Natürlich kommt dieses Tuch aber auch an seine Grenzen, besonders bei sehr rauen Oberflächen oder sehr partikelempfindlichen Arbeiten. Kennen sollten Sie dieses Tuch aber in jedem Fall, fragen Sie dazu gerne noch heute Muster bei uns an. 

Spezielle Anwendungen erfordern spezielle Tücher

Meist werden Tücher in langen Rollen produziert und im letzten Herstellungsschritt auf die gewünschte Größe zugeschnitten. Durch ein angepasstes Schnittverfahren können austretende Faserenden reduziert, teilweise auch komplett vermieden werden. Kanten, die herkömmlich kalt geschnitten werden, bilden am Tuch eine "offene" Schnittkante. Diese Schnittkante setzt während der Verwendung des Tuchs und in Abhängigkeit des Materials größere oder geringere Mengen an Partikeln frei. Durch Laser- oder Ultraschallschnitte (hitzegeschnitten) werden die Kanten während des Vorgangs versiegelt, sodass Partikelaustritte nahezu verhindert werden. Mit komplett heiß versiegelten Schnittkanten kann die Gefahr noch weiter gesenkt werden, wodurch der Einsatz der Tücher bis in die Reinraumklasse ISO 4 empfohlen werden kann. Dabei entsteht am Tuch ein circa 5 cm breiter Rahmen um das Tuch herum. Zu beachten ist  jedoch, dass sich durch die Breite der Versiegelung auch die Gefahr erhöht, empfindliche Oberflächen zu zerkratzen, da alle Versiegelungen hart sind.

 

Um Tücher hinsichtlich freier Partikel und loser Fussel so zu behandeln, dass sie im Reinraum verwendet werden können, sollten Tücher vorgewaschen und nachgereinigt sein. Dies erfolgt in der Regel mit DI-Wasser.

In den GMP-Bereichen A und B werden je nach Anwendungsgebiet sterilisierte Tücher verwendet. Sterilisiert sind diese, damit die Luftqualität, ultimativ jedoch die Produktqualität, des Reinraums nicht durch eingetragene Mikroorganismen gefährdet wird. Eingenähte Carbon-Fasern oder spezielle ESD-Garne erreichen eine bessere Ableitfähigkeit.

Sontara® by Jacob Holm

Das stetig wachsende Portfolio der pure11 erhielt vor kurzer Zeit Zuwachs durch den Hersteller Jacob Holm.

Die Tücher sind von geringem Gewicht (ca. 55 g/m²) und geringerer Dicke (ca. 0,44 mm) als vergleichbare Tücher. Die Zusammensetzung aus Zellstoff und Polyethylenterephthalat (PET) erzielt unterschiedliche Absorptionseigenschaften: Durch einen höheren Anteil an Zellstoff fühlt sich das Tuch weicher an. Diese Variation findet im Micropure SV und im Micropure 100 Verwendung. PET nimmt darüber hinaus kleinste Verunreinigungen auf. Durch das spezielle Herstellungsverfahren, bei dem die Fasern mittels Wasserstrahlen verfestigt werden, kann auf den Einsatz von Bindemitteln oder Klebstoffen verzichtet werden, was die Tücher äußerst beständig gegenüber Löse- und Desinfektionsmitteln macht. Die Tücher werden durch dieses Verfahren enorm reißfest und sind universell in trockenen und nassen Anwendungen einsetzbar.

Fordern Sie hier kostenlose Muster an!